Vorwort

Der Dogmenwahn. Scheinprobleme der Theologie.
Holzwege einer angemaßten Wissenschaft

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Die Theologie ist eigentlich ein Kuriosum an modernen Universitäten. Während andere Fachbereiche einen klar abgegrenzten Forschungs- und Lehrbereich haben, ist bei den Theologen nicht einmal klar, ob es den zentralen Gegenstand, der ihrer Wissenschaft Theologie den Namen leiht, ob es diesen Theos überhaupt gibt. Selbst wenn der Nachweis gelänge (in den letzten 2000 Jahren hat dies leider nicht geklappt), wäre immer noch zu klären, ob es sich um den christlichen Gott oder einen der Tausend anderen Götter handelt, die irgendwo auf dieser Erde von Gläubigen verehrt werden. Gelänge aber auch dieser Nachweis und wäre es tatsächlich der christliche Gott, der existiert, bliebe immer noch die Frage, ob es die katholische oder die protestantische Variante ist. Denn wenn die Theologie ihren Gegenstand auch nicht nachweisen kann, gibt es sie dafür gleich doppelt, nämlich als katholische und als evangelische Theologie. Eine Wissenschaft mit konfessionellem Vorbehalt also, eine evangelische und eine katholische Wissenschaft? Auch dies ist eigentlich höchst kurios, denn träte die Physik z. B. als evangelische oder katholische Physik auf, würde alleine schon diese Benennung für eine Aura von Unseriosität sorgen. Bei der Theologie aber hat man sich augenscheinlich im Laufe der Jahrhunderte an diese Aura gewöhnt.

Wenn man die Theologie schon nicht gleich so radikal wie der Nietzsche-Freund Franz Overbeck als „Parasit an der Tafel der Wissenschaften“ bezeichnen will, so ist sie doch zweifellos ein Fremdkörper in einer modernen Universität. In der Wissenschaftsfamilie ist sie eigentlich so etwas wie ein Schwarzes Schaf, eine verschrobene Verwandte, bei der man sich zuweilen fragt, warum ausgerechnet die wieder eingeladen werden musste. Sie bekommt den Katzentisch.

Und doch kann sie darauf verweisen, dass sie die älteren Rechte hat, dass ihr Stammbaum sich bis in die Antike zurückführen lässt, als die anderen Wissenschaften, die jetzt so bestimmend tun, allesamt noch im Teich der Hoffnung schwammen. Die Theologie ist in jeder Hinsicht ein Relikt. Sie ist die einzige Wissenschaft, die unter Denkmalschutz steht. Als solche wird sie nolens volens akzeptiert, auch von Wissenschaftlern, die mit Kirche und Glauben nun gar nichts mehr anfangen können – und hinter vorgehaltener Hand Witze über sie machen.

Dabei dürften die wenigsten wissen, was Theologen an Universitäten eigentlich machen. Womit beschäftigen sich vor allem Dogmatiker? Wie gehen sie um mit ihrem Gott, den sie nicht beweisen können, den sie aber dennoch beschreiben müssen? Wie verhalten sie sich zu einem „Erlöser“, der nach Ausweis ihrer neutestamentlichen Kollegen gar nicht sich selbst verkündigt hat, keine neue Religion gründen und schon gar nicht religiös verehrt werden wollte? Wie rechtfertigen sie ihre „konfessionelle Wissenschaft“ gegenüber den anerkannten Wissenschaften einer Universität? Wie gehen sie um mit modernen und nicht zu leugnenden Erkenntnissen über Welt und Mensch, wo diese Erkenntnisse im Widerspruch zu kirchlichen Lehren stehen?

Als Königsdisziplin innerhalb der Theologie gilt nach wie vor die Dogmatik (bzw. die sog. Systematische Theologie). Sie versucht so etwas wie eine Gesamtschau der christlichen Glaubensinhalte zu liefern. Krönender Höhepunkt eines Dogmatikerlebens ist die Abfassung einer eigenen Dogmatik. Diese werden vor allem von Studenten der Theologie gelesen und haben so einen nicht geringen Einfluss auf das, was die angehenden Priester und Pfarrer dann selbst glauben und verkünden. Dogmatik-Professoren an Universitäten sind die Scharnierstellen, von denen die Inhalte des Glaubens intellektuell verantwortbar (so zumindest der Anspruch) an die nächste Theologengeneration übertragen werden.

Das Schreiben von Dogmatiken wäre eine ganz wunderbare Sache, würden die Dogmatiker dabei nicht immer wieder unsanft mit der Wirklichkeit zusammenstoßen. Das war im Prinzip schon immer so, doch im 20. und 21. Jahrhundert ist der Gegenverkehr besonders heftig. Denn stärker als früher sieht man sich durch eine moderne Welt und die Vielzahl der Religionen herausgefordert, die dogmatischen „Systeme“ gegenüber der Wirklichkeit rechtfertigen zu wollen und zu müssen. Doch das führt in den Dogmatiken (wie sollte es anders sein) zu imposanten Ausweichversuchen, Selbstwidersprüchen, verbalen Ablenkungsmanövern, sprachlichen Vernebelungen, kühnen Neudefinitionen wie unbeholfenen Rettungsversuchen traditioneller Lehrstücke, und auch nicht selten zu fragwürdigen bis peinlichen Aussagen, die man bei Gelehrten, die immerhin zu den besten ihres Fachs gehören und die an einer staatlichen Universität lehren, nicht für möglich halten würde. Oft genug werden wir in diesem Buch beobachten können, wie intelligente Männer und Frauen von einer als zwingend empfundenen dogmatischen Tradition sich wie Tanzbären in der Manege herumführen lassen und auch im 21. Jahrhundert noch Weltsichten verbreiten, die für ernsthafte Wissenschaftler nicht einmal diskussionswürdig sind. Wir folgen in diesem Buch fasziniert den dogmatischen Darbietungen und Kunststückchen, die „moderne“ Dogmatiker für uns ersonnen haben und die uns Einblick geben in eine Parallelwelt, die gewöhnlichen Sterblichen zumeist verborgen bleibt.

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Heinz-Werner Kubitza
Der Dogmenwahn. Scheinprobleme der Theologie
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